Im fünften Band ihrer beispiellosen und absolut epischen Nordamerika-Umrundung wirft Freya Hoffmeister ihre Leser schonungslos in einen wahrhaften Strudel der Extreme. Sie kämpft gegen die drückenden, feuchtheißen Tropen Mittelamerikas, bevor die Reise in einem brutalen Kontrast abrupt in die eisige Wildnis der kanadischen Arktis wechselt. Dieser Band dokumentiert auf faszinierende Weise die enorme Ausdauer, die zwingend erforderlich ist, um ein solches kontinentales Mammutprojekt über Tausende von Kilometern am Leben zu erhalten.
Beim Start in Nicaragua steht Freya vor einem demotivierenden, schweren Rückschlag: Ihr eingelagertes Expeditionskajak wurde vandalisiert und fast seiner gesamten Ausstattung beraubt. Nach einer mühsamen, improvisierten Reparatur mit spärlichen Mitteln stürzt sie sich mutig wieder in die Hitze, um die unerbittlichen Küsten von Nicaragua, Honduras, Guatemala, Belize und Mexiko zu befahren. Diese zermürbende Etappe ist geprägt von ständigen bürokratischen Hürden, militärischen Kontrollen und der allgegenwärtigen Suche nach sicherem Trinkwasser.
Die Solo-Reise nimmt nahe der angespannten honduranischen Grenze eine überaus bedrohliche Wendung. In einer bekannten Drogenhandelsregion wird sie auf dem Wasser von Einheimischen an Land gezerrt. Sie wird erst in allerletzter Sekunde durch das schnelle Eingreifen des schwer bewaffneten Militärs gerettet. Fortan beschattet von strengen Marineeskorten über mehrere Landesgrenzen hinweg, kämpft sich Freya durch undurchdringliche Mangrovenkanäle, sturmgepeitschte Buchten und Insektenschwärme. Sie erträgt erzwungene Fahrten auf Schlauchbooten mit der Hinduranischen Marine und kämpft unermüdlich dafür, jeden Kilometer aus eigener Kraft paddeln zu dürfen. In Belize wendet sich die Lage langsam zu etwas mehr Sicherheit und Wohlstand des Landes. Die Marine in Belize bietet noch Schlafplätze, lässt sie auf dem Wasser aber allein.
Später wird Freya kurzzeitig von ihrer mexikanischen Paddelpartnerin Rebeca begleitet, und trotzt den unerbittlichen Gegenwinden und extrem flachen Riffbrechern der Halbinsel Yucatán. Trotz atemberaubender Begegnungen mit sanften Mantarochen und riesigen Schwärmen rosafarbener Flamingos bringen die harten tropischen Bedingungen – die brennende Sonne, Hitzeausschläge und eine tiefe Erschöpfung – ihren Organismus an seine absoluten Grenzen. Diese massiven Belastungen erzwingen schließlich einen vorzeitigen Stopp der Südroute im Hafen von Ciudad del Carmen.
Die Erzählung schwenkt im Anschluss dramatisch in die eisige Trostlosigkeit der kanadischen Arktis. Nachdem ein bürokratisches Visumsproblem ihrem Partner Peter Unold die Einreise verwehrt, vollzieht Freya einen Teamwechsel in letzter Minute. Sie holt den erfahrenen amerikanischen Kajak-Guide Chad Whiting an Bord. Zusammen starten Freya und Chad von der Siedlung Cambridge Bay in das berüchtigte „Labyrinth der tausend Inseln“ im Queen Maud Gulf. Das Duo stellt sich eisigem Regen, blind machendem Nebel und der zermürbenden Aufgabe, die Kajaks mit GPS Hilfe durch das Labyrinth zu navigieren.
Die unberührte arktische Wildnis bietet den beiden dabei sowohl raue Schönheit als auch herzstillstehenden Terror. Während sie lautlos an der akrtischen Landschaft vorbeinavigieren, schwebt die Bedrohung durch Eisbären wie ein dunkler Schatten über jedem ihrer Camps. Die Routine des Zeltaufbaus wird zur lebenswichtigen Sicherheitsübung in der weiten, menschenleeren Kälte.
n Gjoa Haven verstärkt Max Lautenbacher das Team. Die Expedition erreicht nach einer Portage über Taylorak ein abgelegenes Gebiet voller Naturschönheiten, wo Eisbären zur Tagesordnung gehören. Das Trio wird mehrfach nachts von ihrem Alarm geweckt, und muss allzu neugierige Raubtiere durch Warnschüsse in die Flucht schlagen.
Buch 5 ist ein atemberaubendes Zeugnis ihres Antriebs und zementiert ihren Ruf als Naturgewalt, die die Grenzen des Seekajakfahrens neu definiert.