Im zweiten Band ihrer beispiellosen Kontinentumrundung dokumentiert Freya Hoffmeister den unerbittlichen Fortgang ihrer Expedition bis August 2020. Diese Etappe ist definiert durch harte Übergänge zwischen den sonnenverbrannten Küsten Kaliforniens und Mexikos sowie den isolierten Schlickwatten Alaskas. Freya beweist enorme Anpassungsfähigkeit, um nahtlos zwischen solch extrem unterschiedlichen Umgebungen zu wechseln.
Die Südroute beginnt in Kalifornien, wo Freya und ihr Partner Jaime Sharp die rauen Channel Islands navigieren. Sie ertragen brutale Brandungsstarts von steilen Kieselstränden, die präzises Timing erfordern, um nicht von massiven Brechern zurück an Land geschleudert zu werden. Die Logistik, voll beladene Expeditionskajaks an einem steilen Betondock nur über eine senkrechte Leiter zu entladen, testet ihre körperlichen Grenzen auf das Äußerste. Die unberührte Tierwelt riesiger See-Elefanten-Kolonien bietet jedoch immer wieder Momente tiefgreifender natürlicher Schönheit.
Nach dem Grenzübertritt nach Mexiko mit Lisa Eick geht die Expedition in die heißen, endlos langen Abschnitte der Baja-Halbinsel über. Freya dokumentiert akribisch die tägliche Mühsal der Trinkwasserbeschaffung in diesem trockenen Klima und den Kampf gegen die unerbittliche Hitze. Gleichzeitig spürt man den kulturellen Wechsel von der streng patrouillierten US-Küste hin zur unkomplizierten Gastfreundschaft kleiner mexikanischer Fischerdörfer.
Die Erzählung nimmt eine sehr persönliche Wendung, als Fylkir Sævarsson, ein isländischer Athlet und ihr neuer Lebenspartner, zur Expedition stößt. Gemeinsam meistern sie die trostlose, windgepeitschte mexikanische Küste von Bahia Tortugas bis La Ventana. Sie navigieren durch massive Pazifik-Dünungen, schlagen ihr Lager an verlassenen, oft müllübersäten Stränden auf und bewältigen stetig lange Überfahrten. Ein besonderer Höhepunkt ist der Fund einer seltenen, riesigen japanischen Glasnetzkugel tief in den Sanddünen. Die Partnerschaft floriert in der Wärme Lateinamerikas, doch der wahre Test für ihre Dynamik wartet in der rauen Kälte der Arktis.
Der drastische Wechsel erfolgt mit der Rückkehr in den Norden, als Freya und Fylkir von Naknek in Alaska in eine unbarmherzige Landschaft starten. Ein absoluter Glücksfall ist Freyas Fund eines massiven Walrossstoßzahns in Rekordgröße. Die Route zwingt sie, durch tückische, extrem flache Schlickwatten zu paddeln, aber Freyas pragmatischer Ansatz zur Gezeitennavigation kollidiert zusehends mit Fylkirs wachsendem Unbehagen. Die ständige Gefahr, im bodenlosen Schlamm steckenzubleiben, aggressive Insektenschwärme und die massive psychologische Belastung potenzieller Begegnungen mit Bären zermürben sein Selbstvertrauen. Letztendlich erweisen sich die harten Realitäten Alaskas als zu viel, was zu Fylkirs mentalem Zusammenbruch mit vorzeitiger Abreise in Hooper Bay und der schmerzhaften Auflösung ihrer Beziehung führt.
Als sie ihre Reise völlig allein wieder aufnimmt, beweist Freya einmal mehr ihre beispiellose Eigenständigkeit. Solo kämpft sie sich durch die verschlungenen Kanäle des Yukon-Deltas, liest fachkundig die Strömungen und verlässt sich vollends auf ihr GPS, um auslaugende Sackgassen zu vermeiden. Später stößt Ross Elder für die Strecke von Nome nach Wales zu ihr und zwingt sie auf ein neues Level bei der Betreuung eines Paddelpartners.
Der Band wechselt noch einmal zurück in die farbenfrohe Wärme von Baja California, wo weitere Partnerschaften mit Elizabeth Purdon und Marg Rees die Expedition durch die fischreichen Gewässer der Sea of Cortez bis in die Stadt Topolobampo führen.
Als die globale Pandemie im Jahr 2020 den Fortschritt in Nordamerika durch geschlossene Grenzen jäh stoppt, paddelt Freya einfach weiter und beschließt dieses Buch mit einem ausführlichen Bonuskapitel, das detailliert eine atemberaubende, stürmische Ersatzumrundung der norwegischen Lofoten-Inseln an der Seite von Markus Ziebell beschreibt.